Taufkirchen: Gemeinderat lässt für die Lindenpassage den Bauturbo prüfen.
Ausgabe 63, Quelle: Quartierambahnhof

Liebe Leserinnen, liebe Leser !

 

Wer sich mit Immobilien beschäftigt, muss auch etwas von Mobilien verstehen. Allein schon deswegen, weil Immobilien erreichbar sein müssen oder weil eine Stadt wie München einem Entwickler aufträgt, sich an den Kosten für einen geplanten Radweg zu beteiligen. Bei Bauprojekten ist der Hinweis auf den nächsten Bahnhof oder die nächstgelegene Autobahnauffahrt Standard. Und die erste Internationale Bauausstellung Münchens (IBA-M) widmet sich dem Thema „Räume der Mobilität“. Sie verknüpft damit die Themen Immobilien und Mobilien.

Ganz großes Kino liefern Mobilitätsthemen in Bezug auf den im Werden befindlichen Münchner Stadtteil Freiham. Er soll, so wurde es noch nicht widerlegt, Europas größte Quartiersentwicklung sein, von derzeit gut 8500 auf bis zu 30 000 Bewohner zulegen und wächst einigermaßen genau zwischen zwei S-Bahn-Stationen, die mal mehr und gerne auch mal weniger zuverlässig angefahren werden. Es fehlt unverändert ein U-Bahn-Anschluss, von den mal zugesagten Expressbuslinien ganz zu schweigen.

Also bleibt als reale Alternative neben Fahrrädern und Bummelbuslinien das Auto. Doch Autos, daran lässt das Mobilitätsreferat keinen Zweifel, sind in dem Quartier unerwünscht. Daher gibt es viel zu wenig Tiefgaragenplätze, die Parkmöglichkeiten für Anwohner und Besucher sind ein Dauerelend, aber, jetzt kommt’s, in dem Stadtteil kann man an jeder Ecke seinen Führerschein machen. In Freiham gibt es, kein Witz, mindestens drei Fahrschulen. Autos unerwünscht, aber Fahrschulen – auf diese Ironie kommt kein Regisseur, der für großes Kino zuständig ist.

Immerhin bleibt den Bewohnern die Hoffnung, dass das mit der U-Bahn schon noch wird. Der Stadtrat beschloss, die Planungen unverändert fortzuführen. In Freiham mag sich keiner ausmalen, was passiert, wenn die vielen Millionen Euro von Bund und Freistaat, ohne die es nicht gehen wird, nicht fließen sollten. Dann entstünde weiterhin ein neuer Stadtteil in einer Größenordnung, die für einen Superlativ in Europa reicht, aber die Stadt München hätte keine vernünftige Antwort auf die Frage, wie die Leute dort eigentlich hinkommen sollen. Bei keiner geplanten Logistikimmobilie in Niederbayern fehlt der Hinweis, wie toll der Standort angebunden ist. Aber für ein Vorzeige-Stadtquartier gibt es noch auf Jahre hinaus kein schlüssiges Verkehrskonzept, das im Praxistest besteht? Wie peinlich ist das denn?

Vielleicht sollte Freiham noch schleunigst auf den IBA-M-Zug aufspringen. Würde der Stadtteil als IBA-M-Projekt ausgewählt, gäbe es für die U5-Anbindung Unterstützung in Gestalt von Know-how, beschleunigten Planungsprozessen und besserem Zugang zu öffentlichen Fördertöpfen inklusive Geld von der Europäischen Union. Europäische Förderung für Europas größte Quartiersentwicklung: Das wär’s. Klingt angemessen und wäre am Ende womöglich, oh je, alternativlos.

Es grüßt Sie ganz herzlich – und mit Faible für gut erreichbare Immobilien

 

Ihr

Bernhard Bomke, Chefredakteur

 

Die aktuelle Ausgabe vom 4. November 2026

Frauenkirche in München, Quelle: Stocks

Die zauberhafte Altstadt in Landshut, Quelle: Stocks

Münsing am Starnberger See, Quelle: Stocks

Bayrische Lebensfreude, Quelle: Stocks

Das Friedensdenkmal in München, Quelle: Stocks

Der Viktualienmarkt in München, Quelle: Stocks