Visualisierung des Quartiers „Das Anders“ in Moosach. Ausgabe 43, Quelle: Opes Management
Liebe Leserinnen, liebe Leser !
Wer in der Metropoleregion München gerne die Erfahrung machen würde, einen Angebotsüberhang von Wohnungen zu erleben, geht leer aus. Dazu müsste man schon mal einen längeren Ausflug machen, der mindestens in die Landkreise Rottal-Inn und Straubing-Bogen führt. Einer Analyse des Vermittlungsportals Immoscout 24 auf der Basis gezählter E-Mail-Anfragen zu Wohnungsangeboten zufolge gibt es in der Region jedoch eine Fülle von Landkreisen, in denen das Verhältnis von Angebot und Nachfrage als immerhin ausgewogen gilt. Längst nicht in jedem Winkel ist die Lage demnach so angespannt wie in den angesagtesten Vierteln Münchens, in Augsburg oder den Landkreisen Dachau, Ebersberg und Fürstenfeldbruck.
Als ausgewogen werden etwa Wohnungsmärkte in den Landkreisen Altötting, Donau-Ries, Eichstätt, Landshut, Mühldorf am Inn oder Traunstein einsortiert. Es gibt sie also, die einigermaßen entspannten Wohnungsmärkte, auch im Großraum München. Was nichts daran ändert, dass der Wohnungsmangel in der Landeshauptstadt selbst bei eher genussorientierten Treffen von Immobilienleuten zum Repertoire der Themen gehört, die so selbstverständlich besprochen werden wie die Dauerbrenner Aufstieg der 60er, ständig ausfallende S-Bahnen, verstopfte Straßen und Baustellenchaos. Oder derzeit auch die demnächst (leider) anstehende Schließung des Ratskellers.
Etwas Ablenkung bietet eine aktuelle Erhebung der Marktforscher des IVD Süd. Darin werden die Wohnungsmärkte München und Stuttgart verglichen. Mal was anderes. Demnach kostet Baugrund bei den Schwaben nur halb so viel wie in München, Eigentumswohnungen sind dort ein Sechstel (Neubau) bis ein Drittel (Bestand) günstiger und die Mieten erreichen dort etwa drei Viertel des Niveaus an der Isar. Das Institut liefert mögliche Erklärungen für das deutlich höhere Preisniveau in München gleich mit. Hier wuchs die Bevölkerung von 2000 bis 2023 um 23 Prozent, in Stuttgart waren es nur 5 Prozent. In München lag die Arbeitslosenquote im Oktober bei 5,3 Prozent, in Stuttgart bei 6,9 Prozent.
Nur beim Anteil der Einpersonenhaushalte, da liegen die Städte nahezu gleichauf. In München stieg dieser von 42 Prozent im Jahr 1971 auf mittlerweile 54 Prozent, in der Stadt von Bosch, Daimler und Porsche legte er von 47 Prozent auf 53 Prozent zu. Hier wie dort ist es inzwischen also womöglich eine Mehrheit, die mit sich selbst darüber nachdenkt, wie es wohl wäre, in einer Region mit Angebotsüberhang zu wohnen. Anders als die Münchner müssten die Stuttgarter dafür zu Versuchszwecken sogar ihr Bundesland verlassen. Erst im mittelfränkischen Ansbach würden sie fündig, also auf bayerischer Gemarkung.
Es grüßt Sie ganz herzlich, derzeit noch ohne konkrete Reisepläne nach Ansbach oder gen Rottal-Inn,
Ihr
Bernhard Bomke, Chefredakteur
Frauenkirche in München, Quelle: Stocks
Die zauberhafte Altstadt in Landshut, Quelle: Stocks
Münsing am Starnberger See, Quelle: Stocks
Bayrische Lebensfreude, Quelle: Stocks
Das Friedensdenkmal in München, Quelle: Stocks
Der Viktualienmarkt in München, Quelle: Stocks
